Leinenkunde: Alles zum Thema Drachenleinen

Ein wesentlicher Faktor für die Flugleistung und das Flugvergnügen eines Drachen sind die verwendeten Leinen.

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In diesem Artikel dreht sich alles um Drachenleinen und die verschiedenen Leinenarten.

Arten von Drachenleinen

Früher bestanden Drachenschnüre noch häufig aus Naturfasern wie Seide, Baumwolle oder Hanf. Diese Leinen finden aber heute so gut wie keine Verwendung mehr.

Stattdessen wird heutzutage auf Kunstfasern gesetzt, die deutlich leichter, stärker und flexibler sind und zudem nicht verrotten können.

Doch auch bei Kunstfaserleinen gibt es erhebliche Unterschiede, auf die wir nun im Folgenden näher eingehen werden.

Nylon

Nylon ist eine von mehreren Kunstfaserarten, die für Seile verwendet werden.

Nylon ist federnd und dehnbar.

Die Tatsache, dass geflochtene und gedrehte Nylonseile bei Nässe rund ein Viertel ihrer Festigkeit verlieren können, macht sie als Drachenleinen nahezu unbrauchbar.

Nylonleinen sieht man deshalb, wenn überhaupt, nur bei kleinen Kinderdrachen im Einsatz.

Polyester

Ideale Flugleinen für Einleiner-Drachen bestehen aus Polyester.

Dieses besitzt eine elastische Bruchdehnung, die sich über rund 10 bis 35% der Schnurlänge erstreckt und so problemlos Windböen abfedert.

Dank seiner hohen Festigkeit, erlaubt es kräftige Leinen mit einem verhältnismäßig geringem Querschnitt.

Eine weitere Eigenschaft von Polyester-Leinen ist, dass die Bruchlast sowohl bei Nässe als auch bei Trockenheit gleich ist.

Aramid

Der Name Aramid ist den wenigsten bekannt, da Aramidschnüre fast ausschließlich mit der Handelsbezeichnung Kevlar auf dem Markt erhältlich sind.

Diese Schnüre besitzen einen extrem hohen Schmelzpunkt von rund 425 C°, was sie als Drachenleinen auf Drachenfesten äußerst unbeliebt macht, da sie alle anderen Leinen problemlos durchschneiden.

Die Dehnung von Kevlar ist sehr gering. Sie beträgt lediglich ca. 4 – 5% bis zur Bruchlast. Kevlarleinen neigen dazu, sich selbst im Bereich von Knoten zu durchtrennen, weshalb Ummantelungen im Knotenbereich sehr wichtig sind.

Aufgrund dieser Eigenschaften ist Kevlar als Grundlage von Drachenleinen von geringer Bedeutung.

Dyneema/Spectra

Dyneema oder Spectra liefert ideale Leinen für Lenkdrachen.

Der Grund ist, dass ihre extrem dünnen, leichten und vor allem dehnungsarmen Fasern den perfekten Kontakt zum Drachen herstellen.

Die Eigenschaften von Dyneema-Leinen bewegen sich technisch gesehen im absoluten High-End-Bereich, was sich auch im recht hohen Preis widerspiegelt.

Zur Vermeidung von Beschädigungen sollte man die Schnüre in Knotenbereichen stets mit Polyestergeflechten schützen.

Gedrehte Leinen

Bei Drachen aus dem Supermarkt werden hauptsächlich gedrehte Drachenschnüre verwendet.

Dies ist ein Grund warum Discounter-Drachen zu meist sehr billigen Preisen angeboten werden, da gedrehte Schnüre billig in der Herstellung sind.

Dafür sind die Eigenschaften dieser Schnüre alles andere als positiv.

Allein durch unterschiedlichen Zug und das Wickeln um einen Griff werden diese Schnüre bereits stark verdrillt, was bei nachlassender Spannung zwangsweise zu Knotenbildung führt.

Gedrehte Schnüre sind in der Regel etwa 7 mal billiger als geeignete Drachenleinen und halten bei weitem nicht so lange.

Häufig werden Einsteiger durch diese Tiefpreise gelockt und erschweren sich ihren Einsteig aufgrund miserabler Leinen schließlich selbst.

Wir empfehlen Ihnen daher, sich nach Möglichkeit nicht im Supermarkt für einen Drachenkauf zu entscheiden.

Ein Drachenfliegergrundsatz besagt, dass man an den Leinen auf jeden Fall nicht sparen sollte!

Die richtige Leinenlänge

Viele Einsteiger und neue Drachenpiloten fragen sich, wie lange ihre Leinen für den Flug mit einem Drachen sein sollten.

Diese Frage lässt sich nicht konkret beantworten, doch nachfolgend wollen wir Ihnen ein paar hilfreiche Infos geben, mit denen Sie Ihre Entscheidung über die richtige Leinenlänge leichter fällen können.

Hat man sich erst einmal für eine Leinenart entschieden, steht man häufig sofort vor der Frage der Leinenlänge.

Eine perfekte Leinenlänge gibt es nicht, da diese von Pilot zu Pilot variiert und je nach Gefühl ausgewählt wird.

Es gibt lediglich grobe Anhaltspunkte, an die man sich zu Beginn halten kann. Danach sollte die eigene optimale Leinenlänge durch Probieren und Testen herausgefunden werden.

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Auswirkungen der Leinenlänge

Die Länge der Leinen hat Auswirkungen auf das Flugverhalten und die Steuerung eines Drachen.

Kürzere Leinen verringern die Reaktionszeit des Drachens auf die Lenkbewegungen und lassen den Lenkdrachen daher für unerfahrene Piloten zu schnell werden.

Längere Leinen erschweren das Abschließen von Lenkmanövern und erfordern ein hohes Maß an Erfahrung, um einen schwerfälligen Drachen dennoch ruhig und zielsicher zu steuern und damit noch Tricks zu vollführen.

Für den Anfang sollten Sie daher eine kürzere Länge in Betracht ziehen und diese dann gegebenenfalls nach und nach anpassen und verlängern.

Als ungefährer Richtwert kann eine Länge zwischen 25 und 35 Metern angenommen werden.

Sie werden schnell merken, dass ein paar Meter Unterschied in der Leinenlänge durchaus spürbare Veränderungen der Eigenschaften des Drachens bedeuten können.

Die eigene Lieblingslänge muss jeder Drachenflieger mit der Zeit für sich selbst herausfinden – das geht nur durch Probieren und Studieren.

In Deutschland darf die Leinenlänge übrigens die Maßzahl von 100 Metern nicht überschreiten.

Davon ausgenommen sind offzielle Drachenfeste – hier dürfen die Leinen auch länger sein, wobei es nahezu unmöglich beziehungsweise sehr schwer ist, überhaupt einen Drachen in dieser Höhe zu fliegen.

Fazit Drachenleinen

Unbedingt empfehlenswerte Flugleinen für Einleiner-Drachen sind Flechtschnüre aus Polyester.

Da das Verhältnis von Zugkraft und Winddruck bei größeren Drachen eher eine untergeordnete Rolle spielt, sind hier bereits preiswerte und locker geflochtene Polysterleinen durchaus geeignet.

Bei kleineren Drachen oder speziellen Leichtwinddrachen sollte hingegen eher auf eine engere Flechtung und einen kleineren Querschnitt geachtet werden.

Lenkdrachen sollten ausschließlich mit Leinen aus Dyneema geflogen werden.

Dies stellt eine maximal exakte Kontrolle (minimale Dehnung) und einen minimalen Luftwiderstad (minimaler Schnurquerschnitt) sicher.

Die dünnen und gleichzeitig empfindlichen Schnüre sollten jedoch unbedingt im Knotenbereich durch das Aufziehen von Polyesterhohlschnüren geschützt werden.

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