Interview mit Drachenprofi Marcel Mehler

Bild von Marcel MehlerIn diesem Artikel lesen Sie ein Interview mit einem der erfolgreichsten und besten Drachenflieger Deutschlands. Marcel Mehler ist mehrfacher Deutscher Meister und hat sich für ein Interview auf lenkdrachen-24.de bereiterklärt, in dem er von seinen Erfahrungen berichtet und tolle Anfängertipps und Ratschläge gibt. Viel Spaß beim Lesen!

1. Hallo Marcel. Bitte stelle dich uns kurz vor.

Ich heiße Marcel Mehler, wurde am 1.8.1986 in Velbert geboren und studiere momentan Architektur an der Fachhochschule Düsseldorf. Davor habe ich bereits eine Ausbildung zum Bauzeichner gemacht.

Meine Hobbys außer dem Drachenfliegen sind: Drachenfliegen…. Drachenfliegen…. Drachenfliegen, Autos, Computer (mein MAC), Rennrad fahren, RC-Cars und … wieder Drachenfliegen.

2. Wann hast du mit dem Drachenfliegen angefangen und wie bist du denn dazu gekommen?

Zu meinem sechsten Geburtstag bekam ich von meiner Tante den ersten Lenkdrachen geschenkt – es war ein rosafarbener Acro Racer. Nach den üblichen Anfangsschwierigkeiten lernte ich auf unserer Trainingswiese Lothar Grolla mit einem Spectra Reaktor kennen. Von nun an hatte Lothar richtig Stress, denn den Spectra gab ich nicht mehr ab. Diesen Drachen habe ich auch heute noch und werde mich niemals von ihm trennen (ein Dank an Lothar, denn er hat mir vieles beigebracht).


3. Erzähle uns von deinen ersten Flügen. Wie erging es dir am Anfang? Welche Dinge klappten auf Anhieb und was hat dir Probleme bereitet? Wie hast du dir alles beigebracht?

Ich weiß nicht wieso, aber ich hatte nie wirklich ernsthafte Probleme etwas neues mit meinen Drachen zu erlernen. Ich habe natürlich sehr früh mit dem Drachenfliegen angefangen, und als so junger Mensch lernt man denke ich sehr schnell.

Aus diesem Grund kann ich gar nicht mehr sagen, was auf Anhieb funktionierte und womit ich Schwierigkeiten hatte. Was sich allerdings schnell rauskristallisierte: ich trickse viel lieber als gerade Linien und saubere Ecken zu fliegen. Aber auch das ist von Nöten, um einen Lenkdrachen perfekt beherrschen zu können.

4. Welche Drachenarten magst du am liebsten bzw. welche fliegst du und warum gerade diese?

Ich fliege am liebsten 2-Leiner (das ist ja klar). Besonders wichtig dabei ist mir allerdings die Spannweite. Am liebsten sind mir Fullsize-Drachen (kein Stab gesägt), also mit ca. 2,40m Spannweite.

5. Wann hast du an deinem ersten Wettbewerb teilgenommen? Wo fand dieser statt?

1997 habe ich meinen ersten Wettbewerb im Juniorcup geflogen. Ich wurde auf Anhieb Dritter. Von nun an war es um mich geschehen. Ich sah die anderen Wettbewerbspiloten fliegen, sah welchen Spaß und Ehrgeiz sie dabei hatten und stellte fest: Das muss ich auch machen! Im selben Jahr wurde ich Deutscher Meister der Junioren in Goslar.

In Goslar habe ich auch Olaf und Jens Frank (Firma FSD / Level One) kennengelernt, die mir nach dem Sieg (mit einem High Level) einen Black Jack schenkten. In der folgenden Woche bekam ich noch zwei weitere Modelle, so dass ich nun mein erstes Wettkampfset beisammen hatte. Seitdem werde ich von der Firma Level One gesponsored. An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön, denn ohne die beiden Schwaben hätte ich es nicht bis in die Master-Class geschafft.

Seit dem Frühjahr 2000 werde ich außerdem von der Firma Ockert tatkräftig unterstützt. Auch hier ein herzliches Dankeschön!

6. In welchen Disziplinen nimmst du in der Regel an Wettbewerben teil? Erzähle uns etwas darüber.

Ich fliege in zwei Klassen: Dual-Line Individual Masters (vergleichbar mit der 1. Bundesliga) und Dual-Line-Pair. Im Pair fliege ich mit meinem Vater zusammen. Und genau das ist für mich der Reiz: das Wettkampffliegen.

7. Du hast in deiner Karriere als Drachenflieger bereits einige große Titel gewinnen können. Auf welchen bist du besonders stolz?

Eigentlich ist jeder meiner Titel etwas ganz besonderes für mich. Was ich allerdings niemals mehr vergessen werde, war das Mitwirken beim Werbespot vom Audi A5 in Namibia.

8. Wie oft und wie lange trainierst du pro Woche/Monat?

Momentan geht das Studium einfach vor. Deshalb komme ich nur sporadisch zum Trainieren. Normalerweise sind es aber ca. 25-40 Stunden in der Woche – also quasi ein halber Fulltime-Job.

9. Wie lange dauert es in der Regel, bis du einen neuen Trick erlernt hast?

Neue Tricks können eigentlich gar nicht mehr kommen. Soweit ich es einschätzen kann, sind die physikalischen Grundgesetze mit den momentan existierenden Tricks vollkommen ausgereizt.

Diese Tricks haben alle Wettkampfpiloten drauf. Um dem ganzen aber das sprichwörtliche Salz in der Suppe zu verleihen, werden die bekannten Tricks auf verschiedenste Arten und Weisen miteinander verknüpft und kombiniert.

10. Was sind deine Lieblingsflugplätze?

Im Moment fliegen wir in Düsseldorf auf den Rheinwiesen. Dafür spricht der viele Platz und die relativ guten Windverhältnisse.

11. Was macht für dich einen guten Drachen aus?

Das kann man so nicht sagen. Ein Drachen muss einfach das gewisse Feedback geben und er muss immer ganz genau auf den Piloten und dessen Flugstil eingestellt sein.

Ein guter Drachen sollte aber immer gutmütig, leicht zu reparieren und in allen Versionen erhältlich sein. Also vom SUL (Super-ultra-light), Über den UL (ultra-light) und STD (Standard) bis hin zum VTD (Vented). Das vereinfacht das Erlernen ungemein, da man sich so nicht immer auf einen anderen Drachen einstellen bzw. umstellen muss.

12. Wie fängt man das Drachenfliegen deiner Meinung nach am besten an?

Tja…wie soll man das sagen….wichtig ist, nicht am falschen Ende zu sparen. Lieber ein paar Euro mehr in die Hand nehmen und immer fleißig Trainieren – so war es zumindest bei mir.

Zu Beginn ist es wichtig, sicheres Starten und Landen zu beherrschen. Das ist das A und O. Erst danach kann man Anfangen Tricks zu üben – und was sagte mal ein Junge zu mir: Eine gerade Linie ist ein sehr schwerer Trick!


13. Mit welchen Kosten kann man zum Einstieg rechnen, damit man eine gute Basisausrüstung hat?

Gute Anfängerdrachen gibt es schon ab ca. 60-80€. Da sind dann meist schon die passenden Schnüre dabei. Fühlt man sich mit diesem Drachen sicher, kann man anfangen, andere Drachen Probe zu fliegen – einfach mal andere Leute auf der Drachenwiese anquatschen. Man merkt recht schnell, was einem liegt, und was nicht.

Wenn man dies weiß, sollte man sich ein ganzes Set kaufen. Dabei reicht aber schon ein UL, STD und eventuell ein VTD. Dadurch muss man sich nicht bei jedem Wind an einen anderen Drachen gewöhnen.

Nach oben hin sind keine Grenzen gesetzt. Ich glaube mein teuerster Drachen kostete damals ca. 1200DM. Es war ein Synchro von Herb Weldon.

14. Worauf sollte man beim Kauf eines Drachen achten?

Also ganz wichtig: Ab in einen Drachenladen und beraten lassen. Ein Anfänger sollte zunächst erst einmal auf ausgewogene Flugeigenschaften und eine gewisse Grundstabilität achten.

15. Gibt es besonderes Equipment, das man als Drachenpilot unbedingt haben sollte?

Ja, Wind – aber den kann man nicht kaufen. Gute Schnüre und ein Bodenpin sind immer hilfreich.

16. Welches ist die beste Drachenart für den Einstieg?

Es gibt eigentlich nur eine: Zweileiner-Deltadrachen.

17. Welche Tipps würdest du einem Einsteiger mit auf den Weg geben?

1: In Foren lesen

2: Andere auf der Wiese ansprechen

3: Drachen probefliegen – so viele verschiedene wie möglich.

4: Billig / Günstig ist auch nicht immer gut. Wirklich gute Drachen haben ihren Preis.

5: Nichts erzwingen, sondern mit Spaß an die Sache gehen.

18. Kannst du uns konkret ein paar Tricks nennen, mit denen ein Einsteiger im Bereich Stuntkiting anfangen sollte?

Ja, Landen und Starten, eine wirklich gerade Linie fliegen und zum Schluss der Axel. Wenn diese Sachen funktionieren, also mindestens 7 von 10 Mal, dann kann man mit anderen Tricks weitermachen. Die von mir genannten Tricks sind die Grundlagen, die jeder können sollte, denn ohne diese kommt man nicht weit.

 

Vielen Dank für das informative Interview Marcel!

Wenn Sie noch mehr über Marcel Mehler erfahren wollen, dann empfehlen wir Ihnen einen Blick auf seine Homepage oder diese Seite hier zu werfen.